Dokumentarfotografie, Lebenszeit und Publizistik – digitale Erfahrungen

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Fotomonat war der Anfang, Filtermix ist die Fortsetzung.

Im Projekt Fotomonat habe ich ca. zehn Jahre über Fotografie geschrieben, Fotografinnen und Fotografen entdeckt, ihre Ansichten und Fotos studiert und selbst ausprobiert, Fotografie praktiziert und dies in Blogartikeln und Büchern gezeigt.

Ich erlebte den Zerfall der analogen Fotografie und den Aufstieg der digitalen Fotografie.

Dann kam das Smartphone und die Vernetzung der Onlinewelt durch private Unternehmen.

Und nun stehe ich in dieser Zeit und dem neuen Zeitgeist, der so schwankt wie ein Schiff auf dem Meer, weil er nie einseitig und nie dauerhaft ist.

Film – Sensor

Sucher – Monitor

Ausdruck – Darstellung auf dem Bildschirm

Privates speichern – öffentliches Darstellen

Altes Denken – Neues Denken

Alter Umgang mit neuen Medien – neuer Umgang mit alten Medien

Altes Wissen für neue Medien

Hier ist der Punkt an dem ich stehe.

Es gehört zu meiner Zeit, daß ich bewußt die absolute Veränderung der Welt miterleben kann durch die Digitalisierung, die alle Lebensbereiche umfaßt. Ich habe mich dabei auf die Fotografie und das Thema Dokumentarfotografie und Streetfotografie als Zeitgeist-Fotografie konzentriert.

Da der Charakter des Menschen dabei gleich bleibt und vielfach sogar darunter sich anders (nicht besser) entwickelt, ist die Zeit heute so schwierig wie frühere Zeiten.

Es gibt wenige Menschen, die so intensiv die Entwicklung der Dokumentarfotografie aufgezeichnet und studiert haben. Daher ist das Projekt Fotomonat mit Artlens, Streetlens und Frontlens zur Dokumentarfotografie ein einzigartiges lebendiges Archiv von dem, was ich gesehen und gelesen habe und auf das ich gestoßen bin und vielfach erst zusammengetragen und transparent gemacht habe oder sogar in Bild und Text selbst umgesetzt habe.

Es sind zehn Jahre Arbeit von mir und 50 Jahre an Themen, die dort vorkommen von früher bis heute.

Zwei sehr interessante Themen waren

  • der Einsatz der Fotografie beim Thema Arbeit und Alter (Rente mit 67 oder 70), um die Menschen visuell zu manipulieren und
  • die politische Fotografie, die schon so was von einseitig und absichtlich auslassend in der Aufarbeitung dargestellt wurde, daß man sich nur wundern konnte.

Vielfach wurde in Publikationen online und offline so getan als ob es gar keine politische Fotografie in den letzten 30 Jahren gegeben hätte, indem Fotografie verbal umgelenkt wurde in unpolitische Bahnen oder es wurde so manipuliert, daß ich wieder statt PR das Wort Propaganda benutzte, damit überhaupt klar wurde, was hier los ist. Aber das alles ist rechercheintensiv und zehrt an den Nerven, umgekehrt ist es unglaublich spannend und horizonterweiternd. Auch die Suchmaschinen bekleckerten sich dabei nicht mit Ruhm sondern zeigten mir nur, daß man mit ihnen nicht rechnen kann, wenn man umfassende Informationen sucht, weil sie nur zeigen, was gut mit Werbung gekoppelt werden kann oder als Webseite von der Suchmaschine angenommen wird.

Ich habe sehr viele Doktorarbeiten über die Fotografie gelesen, die außer mir sicherlich kaum jemand gelesen hat und konnte sogar diese auf ihren wirklichen Wert jenseits des Doktorzimmers überprüfen. Das war alles voller Überraschungen.

Aber dann merkte ich, daß ich in meinem Projekt zwar ungeahnte Höhen erreicht hatte, aber diese mit niemand mehr teilen konnte. Das ist natürlich auch langweilig. Und so beendete ich dies alles und lasse es nun als Fundus schlummern, auf den ich und andere zurückgreifen können.

Readly gab mir den Rest. Dort gibt es so viele tolle Magazine zur Fotografie in den unterschiedlichsten Sprachen, daß ich quasi einen zwar begrenzten aber durchaus sehr guten Überblick über die Themen der kommerziellen Fotografie und darüber hinaus erhalten habe.

Aber wer soll das alles und immer wieder lesen und dazu noch die vielen Webseiten?

Nun ist der Zeitpunkt gekommen an dem ich meine Lebenszeit in ein Verhältnis zu den digitalen Möglichkeiten setzen muß. Denn mittlerweile gibt es so viel zu lesen und zu schauen, daß es Mechanismen für die Auswahl und die Lebensbewältigung geben muß.

Und mir wurde auch klar, daß die einzigartigen Perlen kaum darunter zu finden sind. Denn Blogs und Webseiten wie mein Projekt zur Dokumentarfotografie gibt es dort nicht und die gibt es auch online kaum.

Und nun?

Nun habe ich erkannt, daß die kommerzielle Publizistik über das schreibt, über das ich nicht schreibe.

Persönlich habe ich auch das Gefühl, daß dieses sehr engagierte Projekt von mir auch vor mir selbst nun abgeschlossen ist und etwas Neues kommt. Ich bin fotografisch und persönlich weiter, d.h. ich lebe damit anders als früher. Ich habe auch das Gefühl zu wissen, was ich brauche, um mich auf neue Situationen einlassen zu können.

Der Vorteil dieser Situation ist zudem die Zeit, die nun bleibt.

Es ist mehr und die Zeit kann nicht nur für die Umsetzung der eigenen fotografischen Freiheit eingesetzt werden sondern auch für andere Dinge im Leben.

Im Leben.

Und so entstand Filtermix, durchaus doppeldeutig. Es ist einerseits die Welt der digitalen Filter und andererseits die von mir gefilterte Welt.

Es ist ein kleiner digitaler Ort der Reflexion ohne besondere Planung, öffentlich zugänglich, um fotografische Notizen über mich und die Welt mit Pen und Kamera festzuhalten und einzubringen in den digitalen Gedankenstrom.

 

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