Der Staub, die Sonne und das Licht – Flanieren auf neuen Wegen

Wenn ein Weg zu Ende ist mußt du dir die Frage stellen wie es weitergeht. Ich habe die Arena nicht als Held verlassen sondern geschlagen vom Schicksal – so nennt man Ereignisse, die von aussen nicht beeinflussbar in dein Leben eingreifen.

Siegreich steht man mit den teuersten Digitalkameras in seinem Blog und zeigt, womit man fotografiert und von wem man für welche Texte eingeladen wurde…

Geschlagen steht man in seinem Blog und zeigt, was man sich leisten konnte im Laufe der Jahre und merkt dann, daß die private Bloggerei sinnloser ist als ein sinnloses Leben im Sinne von Albert Camus und wie wenig Arbeit wert ist. Man kann natürlich auch andersrum schauen und sehen, was alles möglich ist ohne großen finanziellen Aufwand. Es kommt eben darauf an, woran man sich mißt.

Hier ist meine fotografische Staffelei, wenn es um das fotografische Malen mit Licht jenseits von Zwang und Hektik geht:

Meine fotografischen Pinsel für das Malen mit Licht

Im Laufe der letzten 5 Jahre habe ich mir diese vier MFT Digitalkameras angeschafft, meistens aus zweiter Hand. Alle können bis auf die Olympus lautlos fotografieren. Focus Peaking kann nur die Lumix GX7, aber einen Touchscreen mit Auslösefunktion habe alle vier.

Ich habe folgende Objektive als Pinsel für die Lichtmalerei:

  • Das Lumix 14mm 2.5 an der Olympus E-PM2
  • Das Lumix 25mm 1.7 an der Panasonic GX7
  • Das Meike 35mm 1.7 an der Panasonic G5
  • Das 7artisans 55mm 1.4 an der anderen Panasonic G5

Und meine Motive damit können alles sein – so wie hier.

Das ist nur mit Herbstlicht möglich, wenn die Sonne sehr speziell Licht wirft. Hier hatten wir vorher wirklich alles sauber gemacht und abgestaubt, sogar mit einem aufnehmenden Staubwedel. Aber ein paar Minuten danach waren dann echt schon wieder Staubpunkte zu sehen solange die Sonne so schien. Danach sah man nichts mehr. Aber das kennen Sie ja sicherlich.

Fotografisch betrachtet strahlt das Foto eine sonnige Ruhe aus, die zum Betrachten und Verweilen im Augenblick einlädt. Es ist ansonsten sinnfrei und sinnlos außer da zu sein und die Staubkörner zu zeigen. Das Bokeh führt dorthin und lädt die Augen zum Verweilen ein.

Dieses Foto ist übrigens mit dem 7artisans 55 1.4 und der Panasonic G5 entstanden und danach nur noch mit einer Vignette versehen worden. Das kann sich schon so sehen lassen.

Aber welchen Sinn hat das Ganze? Welchen Sinn hat es auf einem Foto Staub auf Glas zu zeigen mit Bokeh?

„Alle Ausdrucksformen der Kunst haben sich aus dem Versuch entwickelt, das Augenblickliche in das Immerwährende umzuwandeln.“

Das ist von John Berger und nur so komme ich weiter.

Diese Fotografie ist rein existenziell, um sich selbst Freude im Leben zu bereiten. Sie bedarf auch keiner sozialen Legitimation sondern nur der Freude am eigenen Tun. Sie geschieht dort wo du bist im Da-sein.

Weniger ist mehr in meiner wirklichen fotografischen Welt gilt auch hier für das Flanieren und Fotografieren und die Wahl der Objektivpinsel.

Hier im Text und beim Gedanken an dieser Stelle ist auch die Dimension des Sozialen, des Zeigens und dem Zurschaustellen in einer digitalen Öffentlichkeit.

Warum will ich das teilen?

Es ist doch völlig sinnlos aber es macht Spass und kontrolliert mein Denken. Denn ich teile ja bewusst mit der Welt und ich teile etwas Sinnloses, nämlich Staub auf Glas.

Sinnlos muß nicht wertlos sein – in jeder Hinsicht.

So finde ich hier aktuell den Sinn im Sinnlosen, das ich sozial teile.

Sicherlich spielen auch meine immer wiederkehrenden existenziellen Erfahrungen eine Rolle. So ist die Rolle des Flaneurs nicht ausgesucht sondern gefunden worden, um mich zu verorten. Denn der Zuschauer in einer zunehmend fremdbestimmten Welt merkt beim Sinnieren ja nur noch wie er fremdbestimmt wird.

Und der Flaneur bleibt nicht beim reinen Betrachten und Unterhalten stehen sondern setzt es für sich um, in meinem Fall fotografisch.

Oder merke ich es nur oder sehe ich es falsch?

Führt Orientierungslosigkeit zum Staub als Motiv auf dem Foto statt zum Staub auf der Linse?

Seitdem ich aus der Matrix raus war, sehe ich auch mit dem Herzen und ich sehe, daß Sinnlosigkeit ein guter Schutz vor falschem Sinn sein kann in der Matrix als Weg zur Wirklichkeit.

Und schon bin ich wieder da im Sein, das total sozial ist weil ich das weiße Kaninchen suche.

The white rabbit …

Albert Camus fand es in der Sonne als er Sisyphos und seinen Stein beobachtete und ich fand es im Staub und sah so das Licht.

Das wahre Wunderland war die Wirklichkeit mit warmer Sonne und Licht ..

So zeigt der Staub die Sonne im Licht ob es Sinn macht oder nicht …

Die Sonne macht das Licht, das dann das Objektiv bricht.

So wird es objektiv sichtbar.

Objektiv sinnlos!

 

 

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