Abgelaufene Zeit – Erfahrungen mit Dokumentarfotografie

„Fotografie ist ein Vehikel, um zu reisen und zu lernen…. Die meisten Fotografen reden doch letztlich über sich selbst und nicht über die Welt oder über andere Menschen. Cartier-Bresson war der letzte, der noch persönlich war. Das ist eine Zeit, die abgelaufen ist.“

Es sind Worte von Erich Lessing, die ich hier wiedergegeben habe.

Wenn ich auf meine eigenen Auseinandersetzungen auf dem Feld der Dokumentarfotografie blicke, dann stimmt jedes Wort davon, wobei das Lernen für mich sehr viel umfassender ist:

  • Albert Camus zeigte mir die Absurdität der Existenz und den Weg in die Sonne.
  • Cartier-Bresson zeigte mir, wie ich mit Fotos die Wirklichkeit gut gestalten kann (alternativ zum reinen Text).
  • Alan Sekula brachte mich dazu, der fotografischen Beliebigkeit durch mein Fotografieren ein eigenes Statement entgegenzusetzen bzw. meine Haltung zu formulieren.
  • Daido Moriyama animierte mich, Grenzen aufzubrechen,  „Unperfekt“ als existenziell „Perfekt“ zu sehen und das Existenzielle fotografisch zu leben.
  • William Eggleston hat mich dazu gebracht, jeden Ort als den richtigen Ort für Aufnahmen der Wirklichkeit zu schätzen (außer bei Ereignissen).

Ich wollte diesen Weg solo gehen und im Alleinsein zu Hause sein. Aber auch das reicht nicht. Der Wert des Alleinseins ergibt sich aus der Freiheit soziales Leben vorübergehend verlassen zu können, so wie Yin und Yang.

Das Verfolgen der fotografischen Spuren führte mich immer nur dann zu mir, wenn ich irgendwann die Spuren verlassen habe.

Aber erst mußte ich auf ihnen wandeln, das schulte mich.

Insofern bedeutet abgelaufen nicht nur vorbei im (lebens-)zeitlichen Sinne sondern auch richtig gelaufen, eben die Spuren abgelaufen und darüber hinaus noch unterwegs zu sein, auch wörtlich. Das ist mehrdimensional und führt über sich selbst hinaus.

Wie viele Menschen kommen so weit? Sie fühlen sich frei obwohl sie nur aus Matrix bestehen.

Die Chance, die Matrix zu verlassen – wer hat die und wer will sie?

So ist die Welt und du kannst auch mit Erkenntnis nicht entkommen sondern die Herausforderung besteht darin, damit und darin zu leben, zumal alles endet, auch der eigene Lebensversuch.

Freiheit macht frei aber das Soziale bleibt unser Schicksal und unser Rahmen.

Und der Rahmen ist entscheidend – wie in der Fotografie.

 

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